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Vortrag von Tibor Kiss am Donnerstag, 8.07.2010, 16:30 - 18 Uhr

Montag, 05. Juli 2010. Aus der Kategorie 'Vortragsreihe'. Das Sprachwissenschaftliche Institut lädt ein zu dem Vortrag von Tibor Kiss (Bochum): Interpretation und Struktur: Bedingungen für den Artikelwegfall in Präpositionalphrasen
(im Anschluss an den Vortrag: Posterpräsentation von Antje Müller et al.: An Annotation Schema for Preposition Senses in German.) Präposition-Nomen-Kombinationen (PNKen) bestehen aus einer Präposition und einer artikellosen Nominalprojektion. Das Nomen ist zählbar und wird im Singular realisiert, was die Konstruktion merkwürdig erscheinen lässt, denn die Grammatik vieler Sprachen verlangt, dass zählbare Substantive im Singular durch einen Artikel begleitet werden müssen. Beispiele finden sich in (1).

(1) auf parlamentarische Anfrage, bei absolut klarer Zielsetzung, mit schwer beladenem Rucksack, unter sanfter Androhung

Die Grammatischreibung wertete die Konstruktion lange als Ausnahme, aber Arbeiten von Himmelmann (1998), Stvan (1998), Baldwin et al. (2006) und Kiss (2007, 2010) haben verdeutlicht, dass es sich um eine reguläre Kombination handelt. Weniger Einigkeit besteht über die zugrunde liegenden Regeln. Stvan (1998) und Baldwin et al. (2006) haben für das Englische Modelle entwickelt, in denen die Interpretation der Präposition (bzw. des Nomens) eine wesentliche Grammatikalitätsbedingung liefert. Auf das Deutsche lassen sich diese Annahmen allerdings nicht so einfach übertragen, wie Kiss (2010) zeigt.

Müller et al. (2010a, 2010b), Kiss (2010) und Kiss et al. (2010) verwenden die Methode des Annotation Mining (Chiarcos et al. 2008), um explorativ lexemspezifische und strukturelle Bedingungen des Artikelwegfalls in PNKen abzuleiten. Wir stellen eine Analyse für die Präpositionen *unter* und *ohne* vor, die als Klassifikationsverfahren die logistische Regression wählt. Diese Analyse zeigt nicht nur, dass Bedingungen der Interpretation eine Rolle spielen, sondern dass auch strukturelle Faktoren identifiziert werden können, die sich teilweise hinter semantischen Bedingungen verbergen.

Im Anschluss an den Vortrag erfolgt eine kurze Präsentation eines Annotationsschemas für Präpositionsbedeutungen des Deutschen, das nicht nur die Basis für den o.g. Vortrag bildet, sondern darüber hinaus die Annotation von polysemen Präpositionen aufgrund definiter Kriterien gestattet.

Der Vortrag findet in Raum GB3/159 statt.