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Vortrag von Berthold Gröne am Donnerstag, 1.12.2011, 16-18 Uhr

Dienstag, 22. November 2011. Aus der Kategorie 'Vortragsreihe'. Das Sprachwissenschaftliche Institut lädt ein zu dem Vortrag von Berthold Gröne (Bundesverband Klinische Linguistik): Evidenz basierte Therapie von Patienten mit neurogenen Sprach- und Sprechstörungen --
Die Auffassungen darüber, was genau unter Evidenz basierter Therapie zu verstehen ist, gehen zum Teil weit auseinander. Sackett et al. (1996) machen in ihrem Beitrag einen Definitionsvorschlag, der in der größten Datenbank zur Evidenz basierten Medizin (EbM), der Cochrane Library, Akzeptanz gefunden hat. Der Beitrag fordert, die Erkenntnisse, die aus der aktuellen Studienlage in der Fachliteratur gewonnen werden können, mit dem praktischen Erfahrungswissen der am Patienten tätigen Experten zusammen zu führen.
In den Review-Verfahren können die Studien zu sprach- und sprechtherapeutischen Interventionen bei Aphasie und Dysarthrie keine Bewertung auf höchstem Evidenzniveau vorweisen. Dies hat nicht zuletzt methodische Gründe, da z.B. eine wirkliche Verblindung des therapeutischen Vorgehens nicht zu leisten ist. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl an Publikationen, aus deren Zusammenschau ausreichend Argumente zur Erstellung therapeutischer Leitlinien gewonnen werden können. Auch gibt es ausreichende Belege für die grundsätzliche Wirksamkeit von Sprachtherapie bei Aphasie (z.B. Kelly et al., 2010). Für Dysarthrien existiert eine vergleichbare Evidenzlage.
Das muss zur Konsequenz haben, dass nicht allein das Vorhandensein randomisierter, Placebo kontrollierter Doppelblindstudien ausschlaggebend für das therapeutische Vorgehen sein kann. Das verfügbare Wissen insbesondere auch über theoretisch gut begründete Annahmen über Physiologie, Pathophysiologie, neuronale Repräsentanz und Modelle der Sprachverarbeitung fließen mit in die Therapiegestaltung ein. Hinzu kommen die individuellen Rahmenbedingungen und Wünsche der Patienten.
Ich werde an ausgewählten Beispielen aus der Dysarthrietherapie illustrieren, wie umfassendes störungsbezogenes Wissen in die Gestaltung therapeutischer Ansätze und Vorgehensweisen eingeht. Explizit geht es um Basiskenntnisse aus der artikulatorischen Phonetik, Wissen über die vorliegenden Grunderkrankungen, über Modelle und Prinzipien des motorischen Lernens und das Wissen über die neuronale Organisation sprechmotorischer Bewegungen.

Kelly, H., Brady, M.C., & Enderby, P. (2010). Speech and language therapy for aphasia following stroke. Cochrane Database Systematic Reviews, 5.
Sackett, D.L., Rosenberg, W.M.C., Gray, J.A.M., Haynes, R.B., & Richardson, W.S. (1996). Evidence-base medicine: What it is and what it isn’t. British Medical Journal, 312, 71-72.

Der Vortrag findet in Raum 3/159 statt.