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Dies ist das Newsblog des Sprachwissenschaftlichen Instituts an der Ruhr-Universität Bochum.

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Neues Forschungsprojekt: Literacy as the key to social participation

Dienstag, 09. Dezember 2014. Aus der Kategorie 'Sonstiges'. Literacy as the key to social participation:
Psycholinguistic perspectives on orthography instruction and literacy acquisition.
[Die Schriftsprache als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe:
Psycholinguistische Perspektiven auf die Orthographievermittlung und den Schriftspracherwerb.]


gefördert von der VolkswagenStiftung im Rahmen der Förderinitiative Schlüsselthemen für Wissenschaft und Gesellschaft
(Fördersumme: 890.000 EUR - Laufzeit: 2015-2018).

Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Eva Belke, Sprachwissenschaftliches Institut, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Stefanie Dipper, Sprachwissenschaftliches Institut, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Sonia Kandel, Laboratoire Psychologie et Neurocognition, CNRS UMR 5105, Université Grenoble-Alpes, Grenoble
Jun.-Prof. Dr. Claudia Müller, Germanistisches Institut, Ruhr-Universität Bochum

In dem Maße, in dem die Produktion und Rezeption schriftsprachlicher Texte die Grundlage für den Schulabschluss bilden, ist die Schriftsprache ein Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe. Mit dem Erwerb von Lese- und Schreibfertigkeiten sollte im Idealfall eine Entdeckung der morphosyntaktischen Regularitäten des Deutschen einhergehen, die in der deutschen Orthographie kodiert werden. Indem Leser/Schreiber Orthographie als Kodierung morphosyntaktischer Bezüge verstehen lernen, können sie zunehmend komplexe, literate Texte verarbeiten.

Schriftsprache zu beherrschen bedeutet in diesem Sinne, über die literaten und nicht-literaten, oraten Register zu verfügen, um unterschiedlichen sozialen Situationen sprachlich adäquat begegnen zu können. In Deutschland hängt der Grad, zu dem ein Kind die Schriftsprache erwirbt, so eng mit dem sozioökonomischen Status der Familie zusammen wie in kaum einem anderen EU-Land. Unseres Erachtens liegt eine der Ursachen darin, dass viele didaktische Herangehensweisen für den Deutschunterricht in der Grundschule auf Konzepten sprachlicher Lern- und Erwerbsprozesse fußen, in denen die Reichweite des sog. impliziten Lernens überschätzt wird. Durch implizites Lernen können Sprecher sich Wissen über die statistischen Eigenschaften geschriebener Äußerungen aneignen, z. B. Kookkurrenz- und Kontingenzmuster von Buchstaben in geschriebenen Wortformen. Diese Eigenschaften resultieren aus graphotaktischen, phonologischen und morphosyntaktischen orthographischen Prinzipien. Anders als allgemein angenommen ist implizites Lernen zwingend auf einen reichlichen und gezielten bzw. optimierten sprachlichen Input angewiesen.

Unsere Kernhypothese ist, dass implizit erworbene linguistische und orthographische Fähigkeiten essenzielle Grundlage sicherer Lese- und Schreibfertigkeiten sind und sich in solidem implizitem Wissen über die statistischen Eigenschaften der Orthographie niederschlagen. In korpuslinguistischen und experimentellen Untersuchungen sowie einer Interventionsstudie werden wir die Vorhersagen, die sich aus dieser Hypothese ableiten lassen, untersuchen. Eine Forschungsprofessur, die die skizzierten Forschungsstränge flankiert, zielt darauf ab, Befunde aus Psycholinguistik, Linguistik, Didaktik und kognitiver Psychologie zusammenzubringen, um ein Arbeitsmodell des Sprach- und Schriftspracherwerbs zu entwickeln.