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Vortrag von Gereon Müller am Dienstag, 07.07.2015 (16:00 Uhr - GB 3/159)

Dienstag, 30. Juni 2015. Aus der Kategorie 'Vortragsreihe'.

Das Sprachwissenschaftliche Institut lädt herzlich ein zu dem Vortrag von:

Prof. Dr. Gereon Müller (Universität Leipzig)

Abbau in Vorfeldern


In diesem Vortrag geht es um deutsche Mehrfachvorfeld-Konstruktionen wie Den Fahrer zur Dopingkontrolle begleitete ein Chaperon oder Mit dem Hauptfeld ins Ziel kamen auch Fernando Escartin und Aitor Garmendia. Es gibt für diese Konstruktionen im Wesentlichen zwei konkurrierende Analysetypen: Entweder man geht davon aus, dass hier tatsächlich separat zwei (oder mehr) Konstitutenten ins Vorfeld bewegt werden (vgl. etwa Loetscher (1985)), oder man postuliert, dass eine VP ins Vorfeld gestellt ist, die einen leeren V-Kopf aufweist (der dann entweder die Spur eines bewegten V-Elements ist wie in Müller, G. (1998) oder aber ein nicht in eine Bewegungsoperation involvierter unhörbarer verbaler Kopf wie in Fanselow (1992) und Müller, St. (2005). Interessanterweise gibt es nun für beide Analysetypen gute empirische Evidenz: Neben wohlbekannten Argumenten für Einfachkonstituenz (basierend auf u. a. Abfolgeregularitäten, Satzgenossenschaft der aufscheinenden Elemente, Anti-Freezing-Effekten, etc.) lassen sich auch eine Reihe von Argumenten für genuine Mehrfachkonstituenz ins Feld führen (basierend u. a. auf Barssens Generalisierung über relativen Skopus, schwachen Überkreuzungseffekten, Negativer Polarität, Phrasemen, Linksversetzung und Extraposition). Es entsteht damit ein analytisches Dilemma, denn die konfligierenden Analysen können ja nicht beide gültig sein.

Oder doch? In Müller, G. (2015) wird eine allgemeine Theorie des Strukturabbaus in minimalistischen Syntaxen entworfen, derzufolge es neben der strukturaufbauenden Operation Merge eine vollkommen parallele, den gleichen Beschränkungen unterliegende strukturabbauende Operation Remove gibt. Remove kann sich (wie Merge) auf Phrasen (XP) oder auf Köpfe (X) beziehen. Im ersteren Fall (XP) werden dadurch ganze Konstituenten aus bestehenden syntaktischen Strukturen entfernt (mit einschlägigen Effekten u.a. bei Passiv, Antipassiv und anderen Prozessen, die grammatische Funktionen verändern, sowie generell in Tilgungskontexten); im zweiten Fall (X) wird nur die oberste Schicht (= der Kopf) einer syntaktischen Konstuente derivationell gelöscht (mit einschlägigen Effekten u. a. bei Restrukturierungsverben, DP/NP-Oszillation, usw.); die Struktur darunter bleibt erhalten und sammelt sich ordungserhaltend in der nächsthöheren Projektion wieder an (dies ist ein bisschen wie Tree Pruning bei Ross (1967)).

Ich möchte argumentieren, dass eben diese letztere Option auch der Existenz von Mehrfachvorfeldern im Deutschen zugrundeliegt: Die Konstruktion beginnt als Voranstellung einer VP (mit leerem Kopf) ins Vorfeld, mit nachfolgendem Abbau des leeren V-Kopfes (und damit der VP-Schale), so dass die obersten Konstituenten in VP ohne eigenes Zutun (und ohne jede separate Bewegung) zu Spezifikatoren von CP werden. Evidenz für Einfachkonstituenz ergibt sich damit aus den Verhältnissen vor dem Strukturabbau; Evidenz für Mehrfachkonstituenz signalisiert demgegenüber einen Stand der Derivation nach dem Strukturabbau. Mehrfachvorfelder sind also einfach und mehrfach, nur nicht gleichzeitig, sondern nacheinander. Abschliessend möchte ich diskutieren, ob sich dieses Ergebnis transferieren