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Vortrag von Kay Berkling am Dienstag, 27.10.2015 (16:00 Uhr - GB 3/159)

Mittwoch, 21. Oktober 2015. Aus der Kategorie 'Vortragsreihe'.

Das Sprachwissenschaftliche Institut lädt herzlich ein zu dem Vortrag von:

Prof. Kay Berkling, PhD (DHBW Karlsruhe)

Empirische Analyse von Mustern in der Schriftsprache

Dieser interdisziplinäre Vortrag verbindet Ansätze aus dem anglophonen und deutschen Schriftspracherwerb, Informatik, Text- und Sprachverarbeitung, Computerlinguistik, und Korpuslinguistik, um das Thema Progression der ersten Schuljahre im deutschen L1-Schriftspracherwerb zu untersuchen. Forschung auf diesem Gebiet ist vor allem im Englischen weit verbreitet. Um den Schriftspracherwerb besser zu verstehen, existiert ein Bedarf, die Übertragbarkeit über Sprachen hinweg zu untersuchen (Galuschka, 2014; Goswami, 2005, Ziegler, 2005; Ziegler 2010). Die vorgetragene Forschung beschäftigt sich mit Teilaspekten aus diesem Gebiet.

Im Vergleich zum Englischen, ist deutsche Orthographie wesentlich einfacher zu erlernen (Aro, 2003). Die „Tiefe“ der Orthographie beeinflusst, wie schnell Kinder diese beherrschen und hängt unter anderem davon ab, wie weit die Morphologie die Phonologie dominiert. Während im Deutschen die Graphem->Phonem Korrespondenz (lesen) meist flach ist, so ist die Phonem->Graphem Korrespondenz (schreiben) jedoch weniger konsistent und eher „tief“. Ein Beispiel, in dem sich diese Problematik manifestiert, ist die Markierung der Vokallänge  (z.B. <a>,<aa>,<ah>) (Landerl, 2005; Seymour, 2003; Landerl, 2013), die bei der korrekten Schreibung Probleme bereitet (Klicpera, 2000). Maschinelle Sprach- und Textverarbeitungstechnologie (Berkling, SLaTE, 2011; Berkling, GSCL, 2015) ermöglicht heute eine automatisierte Analyse orthographischer Fehler und deren Entwicklung in großen Textkorpora (Lavalley, L1TLT, 2015). Hier konnte bestätigt werden, dass die im Deutschen häufige Markierung der Vokallänge durch Konsonantenbuchstaben-Verdoppelung von der 2. bis zur 8. Klasse zu den 5 häufigsten Typen von Fehlschreibungen gehört.

Um die Fehler und deren Verlauf in der Interaktion mit Lehrwerken besser zu verstehen, wurden Fibeln auf eine Progression hin untersucht. Hier wurde insbesondere der Umgang im kontrastivem Wortmaterial für die regelmäßige Markierung der Vokallänge im Trochäus (Betten, beten, besten) und in Einsilbern (Bett) untersucht. „Phonics“-Ansätze im anglophonen Schriftspracherwerb (Mesmer, 2005) trainieren derartige Muster explizit mit Kindern und evaluieren die Lehrmethode und den Erwerb der Muster empirisch. Durch definierte Phonics-Muster lassen sich differenzierte Analysen der Strukturen im Wortmaterial der Fibeltexte und Kinderschreibungen durchführen. Ein Blick auf die Lehrmaterialien und Texte lässt darauf schließen, dass für diese Kategorien scheinbar keine strukturierte  Methode zur Generalisierung des Erlernten zur  Verfügung gestellt wird. Analyse der orthographischen Fähigkeiten zeigt auf der anderen Seite, dass sich diese Regelmäßigkeit nicht zeitnah für  die Lernenden erschließt. Eine erste Vorstudie mit interaktivem Trainingsmaterial für die vorgeschlagenen deutschen „Phonics“-Muster zeigen vielversprechende Ergebnisse in der Übertragbarkeit auf orthographische Fähigkeiten in produzierten Texten und Wortmaterial (Berkling, SLaTE, 2015).