Was ist Linguistik?

Sprache(n) nicht nur lernen, sondern begreifen

Viele Schülerinnen und Schüler interessieren sich für (Fremd-) Sprachen und werden dadurch auf das Studienfach Linguistik aufmerksam. Aber auch wenn viele Studierende der Linguistik dieses Interesse teilen: Das Erlernen von Fremdsprachen ist nicht das Ziel dieses Studiums (allerdings können Sie an der Ruhr-Universität neben Linguistik eine Fremdsprache als gleichberechtigtes zweites Fach studieren und Sprachkurse in 17 Sprachen belegen). Gegenstand der Linguistik ist es nicht, Sprachen zu erlernen und zu sprechen, sondern sie wissenschaftlich zu untersuchen, sie mit Methoden der Logik und Mathematik zu analysieren – häufig mit dem Einsatz von Computern.

Linguistik ist eine Wissenschaft mit einer großen Themenvielfalt, in der sich vielfältige und ganz unterschiedliche Studieninteressen realisieren lassen. Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem, womit wir uns in Bochum befassen:

  • Theoretische Linguistik: Hier geht es letztlich darum, heraus­zufinden, wie Sprache funktioniert. Die grundlegende Arbeitsweise der theoretischen Linguistik kennen Sie bereits aus der Schule - vermutlich aber nicht aus dem Deutsch- oder Englisch­unterricht! Theoretische Linguist/inn/en arbeiten eher wie Natur­wissenschaftler und entwickeln aus ihren Beobachtungen heraus Erklärungsmodelle und Gesetze. Während Natur­wissenschaftler z. B. astronomische Objekte oder chemische Reaktionen beobachten, sind unsere Beobachtungs­objekte sprachliche Äußerungen. Wir analysieren deren Struktur und entwickeln dann Sprachmodelle und sprachliche Gesetze, mit denen sowohl Regelhaftigkeiten einzelner Sprachen als auch Parallelen zwischen verschiedenen Sprachen erklärt werden können. Das geschieht je nach Zielsetzung durch die Untersuchung verschiedener sprachlicher Größen wie Aussprache, Wort-/Satzstellung, Bedeutung einzelner Wortelemente usw. Die Daten werden dabei aus Alltagstexten entnommen, in sprachwissen­schaftlichen Experimenten erzeugt oder auch durch die Befragung von Muttersprachlern ermittelt.
  • Computerlinguistik: In der Computerlinguistik wird Sprache mit Hilfe von Computerprogrammen analysiert. Eine Seite der Computerlinguistik kennen Sie aus Ihrem Alltag: Unter anderem kommt computer­linguistisches Wissen in den Suchalgo­rithmen z. B. von Google, in automatischen Rechtschreib- und Grammatikprüfungen oder auch in der Plagiatserkennung zur Anwendung. Häufig werden dabei statistische Methoden verwendet. Die automatische Analyse der Häufigkeit einzelner Wörter, der Verteilung der unterschiedlichen Wortarten oder auch der Länge von Wörtern, Sätzen oder Texten ermöglicht es Computern, sprachliches Wissen zu lernen.
  • Psycholinguistik: Diese Teildisziplin untersucht Sprache im Hinblick auf psychische Prozesse: Was geht beim Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben von Äußerungen im Menschen vor? Während Theoretische Linguist/inn/en in erster Linie die sprachlichen Daten selbst untersuchen (und dabei erstaunlich häufig Weisheiten aus dem Sprachunterricht widerlegen oder Parallelen zwischen scheinbar völlig verschiedenen Sprachen wie Chinesisch und Deutsch aufdecken), interessiert sich die Psycholinguistik für die Grundlagen des menschlichen Sprachvermögens: Warum können Menschen sprechen und was genau passiert dabei? Wie z. B. kommt es, dass wir als Hörer oft schon Sätze von Gesprächspartnern beenden können, bevor wir sie vollständig gehört haben? Diese und ähnliche Fragen werden in der Psycholinguistik vor allem durch die statistische Auswertung von Experimenten untersucht.
    Als Teil- oder Anwendungsbereich der Psycholinguistik kann die Klinische Linguistik betrachtet werden. Dieses Feld beschäftigt sich mit Sprach- und Sprechstörungen bei Kindern und Erwachsenen.

Warum Linguistik in Bochum?

Linguistik kann in Bochum sowohl in der Bachelor- als auch in der Masterphase ohne Schwerpunkt­bildung oder mit dem Schwerpunkt Computerlinguistik studiert werden, der dann auch im Abschlusszeugnis dokumentiert wird. Dazu kommt die Möglichkeit, nach dem Master die Zulassung zum LiP-Jahr zu erwerben. Neben der formellen Schwerpunktwahl können natürlich alle Studierenden im Studium ihre eigenen, individuellen Interessen­schwerpunkte bilden. Entsprechend der Professuren an unserem Institut können z.B. verschiedene Bereiche der Psycholinguistik und Kognitiven Linguistik oder viele Teilgebiete der Theoretischen Linguistik intensiver studiert werden – alles mit oder ohne computergestützte Methoden.

Bundesweit einmalig ist in Bochum die Möglichkeit, den Schwerpunkt Computerlinguistik mit einem weiteren Studienfach zu kombinieren und so ein breites Interessenspektrum abdecken zu können. Auch für Studierende ohne diesen Schwerpunkt bietet die Ruhr-Universität als sechstgrößte Universität Deutschlands vielfältige Kombinations­möglichkeiten. Da Linguistik als 2-Fach-Bachelor angeboten wird, studieren Sie ein weiteres Fach Ihrer Wahl parallel.

Weitere Pluspunkte des Bochumer Angebots sind

  • die flexible Gestaltung: Dank eines flexiblen Wahlpflichtbereichs ist es möglich, die B.A.-Phase mit durchschnittlich etwa vier (beim Schwerpunkt Computerlinguistik: etwa sechs) Präsenzstunden pro Semester zu absolvieren.
  • das Tutorienprogramm: Neben allen obligatorischen Grundkursen des ersten Studienjahres deckt das Tutorienprogramm auch ausgewählte Kurse für fortgeschrittene Studierende ab.
  • das Mentoringprogramm: Allen Studierenden steht ein Mentor (ein/e Lehrende/r des Instituts) zur Seite, der die Bachelor-Phase individuell beratend begleitet.
  • die persönliche Atmosphäre: Das Studium ist örtlich zulassungs­beschränkt. Die Lehr­veranstaltungen haben daher eine überschaubare Teilnehmerzahl und finden überwiegend in unseren eigenen kleinen Seminarräumen statt.
  • das Studienbüro Linguistik (SBL): Diese Einrichtung unterstützt die Studierenden in allen Belangen des Studiums; sowohl durch Beratung als auch durch die Bereitstellung von Geräten und Materialien (z. B. auch kostenlose Kopien).

Neben einer fundierten fachlichen Ausbildung erwerben Sie im Linguistikstudium Kompetenzen, die Ihnen in den verschiedensten Berufsfeldern nützlich sein können, zum Beispiel analytische Sprachkenntnisse, Argumentationstechniken, Sicherheit im schriftlichen Ausdruck, EDV-Kenntnisse und projektbezogenes Arbeiten. ERASMUS-Programme erleichtern es Ihnen zudem, Auslandsaufenthalte in Ihr Studium zu integrieren.

Studium ... und was dann?

Nach Ihrem Bachelor-Abschluss können Sie entweder Ihr Studium im Masterstudiengang fortsetzen oder sofort im Beruf durchstarten. Welchen Berufsweg Sie einschlagen werden, hängt neben Ihrer individuellen Spezialisierung auch von den Praktika und Nebentätigkeiten ab, die Sie während Ihres Studiums durchführen.

  • Insbesondere der Studienschwerpunkt Computerlinguistik bietet vielfältige berufliche Perspektiven. Computer­linguist/inn/en arbeiten häufig in Software-Firmen bei der Entwicklung von Programmen etwa für elektronische Kommunikationsmedien. Hier erstellen sie automatisierte Telefonzentralen, intelligente Textverarbeitungs­systeme, Sprachlern-Software oder computergestützte Übersetzungs­programme.
  • Linguistinnen und Linguisten generell sind häufig im Verlagswesen und im Journalismus tätig. Dort arbeiten sie zum Beispiel als Texter/innen und Textberater/innen oder befassen sich mit der Entwicklung von Lehrmaterial. Daneben sind Absolvent/inn/en der Linguistik häufig in der Kommunikations- und Sprachberatung und im Personalwesen, im (Fremd-) Sprachunterricht oder als Lehrende an Hochschulen tätig.
  • Klinische Linguist/inn/en können in Kliniken und sprach­therapeutischen Praxen tätig werden. Dazu sind drei Dinge anzumerken:
    1. Sprachtherapeut/inn/en, die ein LiP-Jahr absolviert haben und die Berufs­bezeichnung "Klinische/r Linguist/in (BKL)" führen, arbeiten primär als angestellte Therapeut/inn/en in neurologischen Kliniken oder sprach­therapeutischen Praxen. Der erfolgreiche Abschluss des LiP-Jahres und die Berufs­bezeichnung "Klinische/r Linguist/in (BKL)" ermöglicht nicht ohne Weiteres, sich als selbständige/r Sprach­therapeut/in niederzulassen.
    2. Sprachtherapeut/inn/en, die ein LiP-Jahr absolviert haben und die Berufs­bezeichnung "Klinische/r Linguist/in (BKL)" führen, sind für die Behandlung von neurologisch bedingten, erworbenen Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen bei Erwachsenen ausgebildet, aber nicht für die Therapie von Sprach­entwicklungs­störungen. Für die Behandlung entwicklungs­bedingter Sprach- und Sprechstörungen ist eine andere bzw. zusätzliche Ausbildung nötig, die im Rahmen des Linguistik-Studiums in Bochum und des LiP-Jahres nicht geleistet werden kann.
    3. Absolvent/inn/en aus Bochum sind selbst für die Suche nach einer LiP-Stelle verantwortlich. Das Sprach­wissenschaftliche Institut kann die Verfügbarkeit von LiP-Plätzen nicht garantieren.

Wie geht es weiter?

Wenn Sie sich für ein Studium der Linguistik in Bochum interessieren, können Sie sich hier über den grundständigen Bachelor-Studiengang an der Ruhr-Universität informieren.